a 21 kurt pirscheronly the good die young – prof. kurt pirscher hat uns viel zu früh verlassen

Wenn man ehemalige Schüler nach ihren spontanen Erinnerungen an ihren Physiklehrer Kurt Pirscher fragt, bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit Antworten, die sich auf dessen Test- und Prüfungsmodalitäten beziehen. Sein Punkteschema, in dem es um Drittelpunkte ging, ist ebenso legendär wie die Prüfungsaufgaben, die so gut wie immer direkt aus dem Leben gegriffen waren. Wer nicht berechnen konnte, um wieviel sich der Bremsweg eines Autofahrers vor der Volksschule Liebenau verlängert, wenn dieser anstatt der vorgeschriebenen 30 Km/h um 11 Km/h zu schnell fährt, hatte schlechte Karten. Man möchte fast wetten, dass es zur richtigen Antwort noch einen Drittelpunkt extra gab, wenn man den Bremsweg auch für regennasse Straßenverhältnisse errechnen konnte.

Nicht minder denkwürdig war die Sitzordnung, auf die Kurt während seiner Physiktests größten Wert legte. Die Schüler*innen wurden in verschiedene „Sektoren“ unterteilt. Alle ausgezeichneten Schüler*innen in Sektor A, alle hoffnungslosen Fälle in Sektor D und alle Mittelmäßigen in Sektor B. Das mag seltsam erscheinen, die Logik dahinter war aber bestechend einfach: In den Sektoren A und B war Schwindeln unnötig bzw. sinnlos. Die volle Aufmerksamkeit des Lehrers konnte sich daher auf das kleine Grüppchen in Sektor D konzentrieren.
Als Lehrer war Kurt Pirscher definitiv ein Faktotum. Einer, der weder sich noch sein Fach zu wichtig nahm. Wichtig waren ihm viel mehr seine Schüler*innen und deren Entwicklung. Viele Jahre seiner Lehrerlaufbahn und seiner Pension hat der Physiklehrer auch der sportlichen Entwicklung der uns anvertrauten Kinder gewidmet. Nachdem ihn seine Lebensgefährtin, Kollegin Silvia Ortner, mit dem Volleyballvirus infiziert hatte, verbrachte Kurti tausende Stunden an Wochenenden und während der Ferien bei Volleyballspielen, Jugendturnieren und in Trainingslagern. Generationen von Kindern verdanken seinem Enthusiasmus viele unvergessliche Momente, in denen Siege gefeiert und Niederlagen betrauert wurden.
Wer Kurt als Kollegen kennenlernen durfte, hatte das Glück, in ihm einen stets gut gelaunten und loyalen Mitarbeiter zu haben. Wer außerdem das Privileg hatte, Kurt seinen Freund nennen zu dürfen, wird sich immer an die gemeinsame Zeit mit ihm erinnern. Als Mannschaftskollege beim Fußball, Eishockey oder Volleyball, als Begleiter auf Reisen und Ausflügen oder als Grillmeister im unendlich gastfreundlichen Haus seiner Familie. Kurt war der Prototyp des Spaßvogels, aber er war auch der einfühlsame Zuhörer für alle jene, die sich ihm mit ihren privaten Problemen anvertraut haben.
Die überfüllte Feuerhalle bei der Verabschiedung unseres lieben Freundes und Kollegen hat uns in fast erschreckender Weise verdeutlicht, wie viele Menschen um Kurt trauern. Wie viele Verwandte, Freunde und Wegbegleiter fassungslos sind, weil uns Kurt völlig unerwartet und viel zu früh verlassen hat. Wie viele Menschen ihm noch viele glückliche Jahre im Kreis seiner Lebensgefährtin und seiner vier Kinder gegönnt hätten.

Noch nie war der Text von Queen’s „No-One But You“ passender:
Only the good die young
They are only flying too close to the sun
And life goes on without you

Ja, das Leben wird auch ohne Kurt weitergehen. Aber es wird nicht mehr ganz so bunt sein.

Ruhe in Frieden und vergiss uns nicht, lieber Freund!

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